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Abhängigkeitserkrankungen und ihre Auswirkungen im Arbeitsleben

Alkohol- und Drogensucht als betriebswirtschaftliches Problem

In vielen Betrieben fallen Mitarbeiter durch hohen Konsum an Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen auf. Einstmals gute und zuverlässige Arbeitnehmer stellen mit zunehmender Abhängigkeit eine Belastung für Kollegen, Vorgesetzte und Arbeitgeber dar.

Anfangs werden die betroffenen Mitarbeiter noch durch Kollegen oder direkte Vorgesetzte gedeckt, doch mit der Zeit können Verhaltensweisen wie Unzuverlässigkeit, häufige Fehlzeiten, schlechte Arbeitsleistungen, unzufriedene Kunden und gefährliche Arbeitssituationen zu offenen Konflikten führen. 

Drogen wirken sich negativ auf die Reaktionszeit, die Wahrnehmung, die Handfertigkeit, das Denkvermögen und den Gleichgewichtsapparat aus. Zusätzlich verändern sie die Antriebs- und Stimmungslagen, indem sie zum Beispiel die Risikobereitschaft erhöhen, was zu einer verstärkten Unfallgefahr am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg führen kann.

Den Betrieben kann ein hoher wirtschaftlicher Schaden durch die unmittelbare Auswirkung auf die Arbeitsleistung entstehen. Der Arbeitnehmer benötigt mehr Zeit für die Aufgabenbewältigung und die Fehlerquote steigt. Hinzu kommen erhebliche Kosten durch höhere Ausfallzeiten, kurz- und längerfristigen Personalersatz, Umorganisation der Arbeit, intensive Betreuung durch Vorgesetzte und Kollegen oder Versetzungen an einen anderen Arbeitsplatz. 

Was kann der Arbeitgeber in dieser Situation machen?

Einerseits hat jeder Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht jedem Mitarbeiter gegenüber, andererseits müssen Vorschriften der Arbeitssicherheit eingehalten und wirtschaftliche Gesichtspunkte beachtet werden. Einen Ausweg bietet ein betriebliches Suchtpräventionsprogramm, das auch bei zukünftigen ähnlichen Problemfällen angewendet werden kann.

Aufbau eines betrieblichen Präventionsprogramms

Ziel eines Suchtpräventionsprogramms ist es, frühzeitig tätig zu werden und somit hohe betriebswirtschaftliche Kosten von vorneherein zu vermeiden. Gleichzeitig werden dem betroffenen Mitarbeiter Hilfsmöglichkeiten angeboten und eine drohende Kündigung abgewendet. Die einzelnen Schritte können von einem Arbeitskreis Sucht erarbeitet und in einer Betriebsvereinbarung, zum Beispiel als Teil des Betrieblichen Eingliederungsmanagements, rechtlich verbindlich festgelegt werden.

Mögliche Schritte des betrieblichen Präventionsprogramms:

  • Den Gebrauch von Suchtmitteln nur in bestimmten Räumen (Rauchen) oder bei bestimmten Anlässen (Alkohol bei Betriebsfeiern) gestatten.
  • Das Alkoholangebot auf dem Betriebsgelände einschränken oder ein absolutes Alkoholverbot auf dem gesamten Firmengelände vereinbaren.
  • Die Mitarbeiter für die betriebliche Suchtproblematik sensibilisieren, beispielsweise durch Informationsveranstaltungen.
  • Personalverantwortliche Mitarbeiter schulen (Trainieren von Problemgesprächen auf sachlicher Ebene, Erläuterung des Präventionsprogramms etc.).
  • Ursachen beseitigen, die einen Suchtmittelmissbrauch begünstigen können, zum Beispiel belastende Arbeitsbedingungen.
  • Innerbetriebliche Hilfsangebote für betroffene Mitarbeiter zur Verfügung stellen.
  • Kooperation mit der externen Suchtkrankenhilfe vereinbaren.
  • Nach erfolgreicher Therapierung die Wiedereingliederung unterstützen.
  • Plan für den Umgang mit Rückfällen erarbeiten.
  • Einen betrieblichen Ansprechpartner oder Suchtkrankenhelfer benennen.


Die einzelnen Schritte können in einer Art Baukastensystem den einzelnen betrieblichen Anforderungen angepasst werden.

(me)

 
 

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