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Konkrete Maßnahmen im Betrieblichen Eingliederungsmanagement

Hilfsangebote, die im Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) eingesetzt werden, sind auf den Einzelfall abgestimmt und können flexibel gehandhabt werden. Zunächst gilt es, in einem Präventionsgespräch zu erkennen, was getan werden muss. 

Themen dieses Gesprächs können zum Beispiel sein:

  • Liegen bei dem betroffenen Mitarbeiter Leistungseinschränkungen vor?
  • Wie ist die Belastungssituation am Arbeitsplatz?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Arbeitsplatz?
  • Wie kann der Arbeitsplatz ausgestaltet und gesichert werden?
  • Gibt es innerbetriebliche Hilfsangebote?
  • Wo liegen Stärken und Qualifikationen des Mitarbeiters?
  • Was sind Ziele und Vorstellungen des Mitarbeiters?
  • Wo und wie kann ein zukünftiger Einsatz des Mitarbeiters erfolgen?


Am Anfang konkreter Verfahren steht oft eine Gefährdungsanalyse oder eine Tätigkeitsanalyse durch Ingenieure beziehungsweise Techniker und Ärzte. Dabei wird ein Anforderungsprofil für den Arbeitsplatz erstellt und mit dem aktuellen Leistungsvermögen des Mitarbeiters verglichen (beispielhafte Verfahren sind IMBA oder MELBA - siehe rechte Spalte unter Weitere Links).

 

Die Hilfsangebote im BEM dienen der Rehabilitation, Prävention oder Integration am Arbeitsplatz:

1. Rehabilitationsmaßnahmen zur Überwindung von
    Arbeitsunfähigkeit

  • Maßnahmen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation (stationär, teilstationär, ambulant).
  • Eingliederung schwerbehinderter Menschen nach Arbeitslosigkeit oder Abschluss beruflicher Rehabilitation/Umschulung.
    Durch Vermittlung und in Zusammenarbeit mit den Integrationsfachdiensten werden arbeitslose schwerbehinderte Menschen betrieblich integriert.
    Rechtsgrundlage: SGB IX § 81 Abs. 4
  • Stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Die Eingliederung erfolgt nach langer oder schwerer Erkrankung mit einhergehender Leistungsminderung, wenn der arbeitsunfähige Mitarbeiter seine bisherige Tätigkeit teilweise wieder verrichten kann. Schrittweise wird er an die volle Arbeitsbelastung herangeführt. Währenddessen ist er weiterhin arbeitsunfähig.
    Rechtsgrundlage: SGB V § 74
  • Teilnahme an betrieblichen oder außerbetrieblichen Eignungsfindungsmaßnahmen.
  • Belastungserprobung / Arbeitstherapie
    Wiedereinstieg von Mitarbeitern durch Belastungserprobung oder Arbeitstraining als Leistung der gesetzlichen Krankenkasse nach längerer Krankheit. Wenn die Wiedereingliederung am bisherigen Arbeitsplatz nicht möglich ist, dient diese Maßnahme dazu, eine geeignete alternative Tätigkeit zu finden.
    Rechtsgrundlage: SGB V § 27 Abs. 1 Nr. 6 und SGB V § 42
  • Belastungserprobung als Leistung der Unfallversicherungsträger nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit.
    Die Leistungsfähigkeit wird mit den Arbeitsanforderungen des Arbeitsplatzes verglichen und der Arbeitsplatz ergonomisch oder von den Arbeitsinhalten her dem Leistungsbild des betroffenen Mitarbeiters angepasst.
    Rechtsgrundlage: SGB VII § 27 Abs. 1 Nr. 7 und SGB VII § 35

 
2. Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung erneuter
    Arbeitsunfähigkeit

  • Gesundheit fördern, betrieblichen Gesundheitsschutz generell verbessern; individuelle arbeitsplatzbezogene Gesundheitsberatung anbieten; Gesundheitstraining für ältere und chronisch kranke Mitarbeiter anbieten.
  • Arbeitsmedizinische Beratung oder Stellungnahme durch den Betriebsarzt oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit; medizinisches Notfallmanagement, Vorsorgeuntersuchungen, Präventions- und Interventionsprogramme.
  • Weitere interne oder externe Beratung (zum Beispiel Sucht- oder Mobbingberatung durch Integrationsamt oder Integrationsfachdienste, Unfallkasse des Bundes, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Gemeinsame Servicestellen, Deutsche Rentenversicherung).
  • Arbeitssicherheit: Vorbeugender Unfallschutz, Untersuchung von Unfallursachen, Gefahrstoffmanagement.
  • Arbeitsplatzanalysen, Gefährdungsbeurteilungen, Arbeitsschutzmaßnahmen.
  • Inanspruchnahme von außerbetrieblichen Rehabilitationsträgern für betriebliche Hilfen (zum Beispiel Zuschüsse für Arbeitshilfen) und/oder außerbetrieblichen Hilfen und Maßnahmen sowie Leistungen der medizinischen Rehabilitation bzw. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben einschließlich begleitender Hilfen (zum Beispiel Förderung der Teilnahme an beruflichen Trainings- und Qualifizierungsmaßnahmen).


3. Integrationsmaßnahmen zum Erhalt des Arbeitsplatzes

  • Einarbeiten
  • Innerbetrieblich qualifizieren
  • Arbeitsbereich wechseln, auf einen anderen Arbeitsplatz umsetzen/versetzen.
  • Telearbeit
  • Arbeitsstätte barrierefrei gestalten (insbesondere soziale und sanitäre Einrichtungen).
  • Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld ergonomisch gestalten.
  • Begleitende Hilfe im Arbeitsleben
  • Technische Arbeitshilfen bereitstellen.
  • Berufsbegleitend beraten, Coaching/Arbeitsassistenz bereitstellen.
  • Arbeitskollegen besonders unterrichten (zum Beispiel im Hinblick auf medizinische Notfälle).
  • Arbeit individuell gestalten (bezüglich Arbeitsplatz, Arbeitsumfeld, Arbeitszeit, Pausengewährung, Arbeitsorganisation).

Aufgaben verschiedener Beteiligter

Denkbare Aufgaben der verschiedenen Akteure, die am BEM beteiligt sind:

  • Der Vorgesetzte kann Belastungserprobung oder Arbeitserprobung organisieren.
  • Der Betriebsarzt kann Arbeitsplatzanforderungen und individuelle Fähigkeitsprofile abgleichen; die Arbeitsprobung medizinisch begleiten; einen Wiedereingliederungplan vorschlagen; den Arbeitsplatz besichtigen; Arbeitsplatzanpassungen vorschlagen und erforderliche Hilfsmittel empfehlen.
  • Die Personalabteilung kann Leistungen beantragen.
  • Der betroffene Mitarbeiter kann Leistungen beantragen.
  • Der Integrationsfachdienst kann schwerbehinderte Mitarbeiter psychosozial betreuen.

 
(ml)

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