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Karl Diederichs KG - Dirostahl

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Herr Wößner, Personalleiter der Karl Diederichs KG, Herr Bitzer, Schwerbehindertenvertreter, und Herr Teller, der in 2007 einen schweren Arbeitsunfall erlitten hat, berichten über das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) und ihr Verständnis von einer gelungenen Integration schwerbehinderter Menschen ins Arbeitsleben.

Das Interview führte Andrea Kurtenacker. Es fand im Juni 2013 bei der Karl Diederichs KG in Remscheid-Lüttringhausen statt.


talentplus:
Herr Wößner, Dirostahl ist eine Freiformschmiede. Was genau kann ich mir darunter vorstellen und was wird im Werk produziert?

Wößner: Wir stellen Freiformschmiedestücke her, die ein Stückgewicht von 10 kg bis etwa 35.000 kg haben können. Das können zum Beispiel Wellen, Scheiben, Lochscheiben, nahtlos gewalzte Ringe, Stäbe usw. sein. Im Prinzip all das, was man sich unter geschmiedetem Stahl vorstellen kann. Freiformschmieden heißt, dass wir nicht im Gesenk schmieden, wie es beispielsweise bei der Produktion von Schraubenschlüsseln typisch ist. Dort wird, etwas vereinfacht ausgedrückt, der Rohling in eine Art Matrize (Gesenk) gelegt, mit dem Hammer draufgeschlagen oder mit einer Presse gepresst. Dem Gesenk kann dann im Anschluss das fertige Schmiedestück entnommen werden.

Dirostahl-Werkshalle-StahlBei Dirostahl verformen wir den Stahl dagegen frei unter Hämmern oder Schmiedepressen. Diese Verfahrensweise ist wesentlich aufwändiger, ist jedoch dadurch auch nicht an die im Gesenk vorbestimmte Form gebunden. Durch die Freiverformung ist es uns möglich, die Schmiedestücke in die vom Kunden gewünschten Formen zu bringen. Die Firma ist ein Familienunternehmen mit sehr langer Tradition. Derzeit beschäftigen wir ca. 490 Mitarbeiter hier am Standort in Lüttringhausen.

talentplus: Von den 490 Mitarbeitern arbeiten die meisten auch in der Produktion?

 

Wößner: Ja genau, ca. 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen wir zur kaufmännischen Verwaltung. Alle anderen Beschäftigten gehören zum gewerblich technischen Bereich.

talentplus: Wissen Sie, wie viele von Ihren Mitarbeitern einen Schwerbehindertenausweis haben?

Wößner: Offiziell haben 23 Mitarbeiter ihre Schwerbehinderung der Personalabteilung bekannt gegeben. Theoretisch könnten es natürlich mehr sein. Es ist möglich, dass der eine oder andere Arbeitnehmer uns seine Schwerbehinderung noch nicht offen gelegt hat. Aber ich gehe davon aus, dass uns eigentlich alle Arbeitnehmer ihre Schwerbehinderteneigenschaft bekannt geben, weil damit ja bekanntlich auch besondere Konditionen verbunden sind, wie der besondere Kündigungsschutz und natürlich auch die 5 Tage Sonderurlaub für Schwerbehinderte. 

talentplus: Zahlen Sie noch Ausgleichsabgabe?

Wößner: Nein. Seit vielen Jahren schon nicht mehr. Die Quote wird von uns erfüllt. 

talentplus: Gibt es bei Dirostahl Anzeichen für einen Fachkräftemangel? Und falls ja, wäre dies für Sie auch ein Grund, schwerbehinderte Menschen vermehrt aufzufordern, sich zu bewerben?

Wößner: In ganz Deutschland wird vom Fachkräftemangel gesprochen. Für unser Unternehmen kann ich das, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, nicht bestätigen. Wir rekrutieren unsere Fachkräfte aber auch hauptsächlich im eigenen Unternehmen. Wir bilden in acht verschiedenen Ausbildungsberufen aus und haben derzeit ca. 40 Auszubildende. Die Auszubildenden werden fast alle nach bestandener Abschlussprüfung übernommen. Ich kann daher sagen, dass wir noch keinen Fachkräftemangel verspüren. Wir tun aber natürlich auch einiges dafür, in dem wir selber ausbilden und damit in die Zukunft investieren.

Dirostahl-Werkshalle-Stahl-2

Um auf das Thema Schwerbehinderung zurück zu kommen: Wir haben in der Vergangenheit auch schwerbehinderte Bewerber um einen Ausbildungsplatz eingestellt, ausgebildet und danach in ein Arbeitsverhältnis übernommen. Menschen mit Behinderung eine berufliche Perspektive zu geben, wird auch in der Zukunft ein immer größeres Thema werden.

talentplus: Können Sie mir sagen, welche Art von Behinderung die betroffenen Personen hatten?

Wößner: Das kann ich schlecht sagen. Bei uns wird ja nur der Schwerbehindertenausweis abgegeben. Daraus kann ich den Grad der Schwerbehinderung ablesen, aber nicht die Art der Schwerbehinderung oder deren Ursache erkennen. Natürlich sind uns auch einige Schwerbehinderungen bei den Mitarbeitern bekannt, aber diese Sachverhalte werden von uns selbstverständlich streng vertraulich behandelt. Ich kann aber allgemein sagen, dass bei uns im Prinzip eine große Bandbreite an unterschiedlichsten Schwerbehinderungen vertreten ist, von physischen bis zu psychischen Einschränkungen.

talentplus: Wird das Thema Schwerbehinderung bei Neueinstellungen aktiv angegangen? Transportieren Sie beispielsweise nach außen hin, dass Bewerbungen schwerbehinderter Mitarbeiter erwünscht sind, wie dies im öffentlichen Dienst üblich ist?

Wößner: Im öffentlichen Dienst ist das sicherlich leichter umzusetzen. Bei uns muss man bedenken, dass wir ein Produktionsbetrieb sind und die Tätigkeiten - abgesehen von den Büroarbeitsplätzen - oftmals hohe Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit stellen.

Bitzer: Im Prinzip werden alle Bewerber gleich behandelt. Es wird niemand wegen einer Behinderung bevorzugt oder abgelehnt.

Wößner: Ja, das ist richtig. Wenn jemand in der Bewerbung seine Schwerbehinderung offenbart, so leiten wir die Bewerbung immer auch an die Schwerbehindertenvertretung weiter und sprechen über eine eventuelle Einsetzbarkeit des Bewerbers im Unternehmen. Das ist bei uns das normale Verfahren.

 

Dirostahl setzt auf das Betriebliches Eingliederungsmanagment, das im Unternehmen bereits Tradition hat. Hier erfahren Sie auch, wie für Herrn Teller ein neuer Arbeitsplatz im Unternehmen eingerichtet wurde.

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Karl Diederichs KG

 
 

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